6 Fragen, die du dir stellen sollst, bevor du ein Dogfrisbee-Richter wirst

Richter auf einem Hundefrisbee-Turnier
Richtercrew – Spass bei der Arbeit

Ohne Richter kein Turnier! So einfach ist die Formel.

Für ein DiscDog-Turnier braucht es vier Richter, welche die Darbietung bewerten. Einer bewertet den Hund, ein weiterer den Spieler, der Dritte bewertet das Team und der vierte Richter zählt die gefangenen Frisbee zu den Geworfenen.

Was die Qualifikation der Richter anbelangt gibt es unterschiedliche Systeme. Die Regelwerke geben teilweise Listen mit zugelassenen Richtern raus. Ein einheitliches Prüfsystem für alle Regelwerke gibt es nicht.

So kann es passieren, dass der eine Richter bei Regelwerk A bewilligt wird, bei Regelwerk B jedoch nicht.

Viele Faktoren spielen hinein. Wie lange ist jemand im Hundefrisbee aktiv? Hat die Person Richterworkshops besucht? Wurde Shadow-Judging (Mit einem erfahrenen Richter mitrichten) gemacht und manchmal ist es ein Nasenfaktor. Passt der gewählte Richter der Person, welche darüber zu entscheiden hat.

Dazu kommen die verschiedenen Kategorien. Nicht jeder Richter ist für jede Kategorie geeignet. Dir liegt ja auch nicht alles gleich gut. Um die Catch zu richten brauchst du am wenigsten Erfahrung. Trotzdem musst du dich mit Hundefrisbee auskennen. Denn, eine geworfene Scheibe ist nicht immer eine geworfene Scheibe. Wird also je nach Regelwerk unterschiedlich gezählt.

Häufig beginnen die Richter mit der Kategorie Hund. Dies scheint die einfachste Kategorie zu sein. Das ist aber nicht für alle Richter gleich. Nicht jeder sieht die Spezialitäten beim Hund. Auch musst du auf die Rasse achten. Ein Border arbeitet anders als ein Terrier. Hundekenntnisse sind wichtig.

Wer gut werfen kann, ist nicht automatisch ein guter Richter für den Spieler. Nur weil du es kannst, heisst es nicht, dass du es bei den Anderen siehst. Aber es hilft, wenn du die verschiedenen Würfe kennst und den Schwierigkeitsgrad beurteilen kannst.

Und der Team-Richter bewertet das Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund. Ich finde dies die spannendste Kategorie. Auch ist es die Kategorie, welche viel vom Richter fordert.

Ich möchte hier nicht die einzelnen Kategorien und die Voraussetzungen erläutern. Das können andere Leute und die Regelwerke viel besser.

Mir geht es in diesem Artikel um dich. Ja, du als Richter. Was heisst das und welche Gedanken musst du dir vorgängig machen?

Wo sehe ich meine Stärken im Hundefrisbee und was interessiert mich ganz besonders?

Welche Kategorie liegt dir besonders? Oder anders gefragt, für welche Kategorie interessierst du dich am Meisten? Du bekommst nach dem Turnier die Auswertung deines Spiels. Da siehst du wo du mit deinem Spiel stehst.

Kann es sein, dass du dich nicht so fürs Werfen interessierst? Dann bist du wohl auch kein guter Richter für die Kategorie Mensch. Denn, wie willst du bewerten, was dich nicht interessiert?

Gehörst du zu den Leuten, welche sich generell für alle Kategorien interessieren? Als DiscDogger geht es vielen so. Schliesslich ist es unser heissgeliebter Sport und da finden wir alles spannend.

Aber gibt es eine Kategorie oder zwei, welche dich richtig fasziniert und begeistert. Finde es heraus. Setze deinen Fokus als erstes auf genau diese Kategorie. Informiere dich, lies die Regelwerke und mach Shadow-Judgings.

Aus welcher Motivation heraus mache ich den Richterjob?

Die Veranstalter sind dankbar sagen die Richter für ihr Turnier zu. Die Veranstalter sind auch dankbar für den Job, den du da auf der Richterbank machst. Auch gibt es viele Spieler, welche dir dankbar sind.

Auf Händen wirst du deshalb nicht getragen und meistens fällt der Dank spärlich aus. Nicht jeder Spieler wird dir die Hand schütteln und sich bedanken. Das war einmal.

Auf den ersten Turnieren, welche wir besuchten, standen die Richter bei der Siegerehrung vorne und jeder Spieler hat sich mit einem Händedruck oder einer Umarmung bedankt. Dies sehe ich heute nur noch wenig. Liegt wohl auch an der Grösse der Turniere und an der fehlenden Zeit.

Deine Motivation sollte es sein, den Sport zu unterstützen. Dafür zu sorgen, dass Turniere durchgeführt werden. Es geht nicht um Ruhm und Anerkennung.

Bin ich stark genug um hinter meiner Bewertung zu stehen?

Als Richter musst du selbstsicher sein. Du musst dir sicher sein, dass du den Job ernst nimmst und gut machst. Du beurteilst das Spiel von anderen und da musst du auch Auskunft über deine Bewertung geben. Warum hast du den Spieler so bewertet?

Auch solltest du dich an das Team erinnern. Ist dein Hirn Matschbirne und nach 10 Minuten alles weg, wird es schwierig. Mach dir Notizen, welche dir beim Erinnern helfen.

Klar, nach einer Woche oder länger kannst du nicht mehr das gleiche Feedback geben wie direkt vor Ort. Das nimmt dir auch niemand übel.

Bist du unsicher, weisst nicht welche Punkte du geben sollst? Fragst du oft bei deinen Richterkollegen nach, ob die Punkte so in Ordnung sind? Mach einen Richterworkshop, setzte dich intensiver mit den Regelwerken auseinander und richte mit erfahrenen Richtern auch mal am Spielfeldrand. So bekommst du die nötige Sicherheit.

Wie gehe ich mit Kritik um?

Richten ist subjektiv. Jeder auf dem Turnier nimmt ein gesehenes Spiel anders war. Du als Richter entscheidest wie es für dich und das gespielte Regelwerk war.

Es ist nicht schwarz oder weiss, drin oder draussen, 1 oder 0. Freestyle hat viel mit der eigenen Einstellung, dem Empfinden und dem Wissen zu tun. Wichtig ist, dass du die Teams vom ersten bis zum letzten Start nach dem gleichen Massstab bewertest.

Ein Richterentscheid wird nicht angefochten. Ausser der Headjudge greift ein.

Jedoch kommt es vor, dass die Leute nicht zufrieden sind und quatschen. Das machen sie nicht (nur) mit dir sondern mit Partnern, Freunden und mit der Öffentlichkeit.

Solche Geschichten sind unangenehm und verletzend. Wird dem Richter doch einfach etwas unterstellt. Oder die Person wird in ein schlechtes Licht gestellt. Du bekommst nicht mal die Möglichkeit darauf einzugehen oder es richtig zu stellen.

Hier brauchst du ein starkes Rückgrat. Steh zu deiner Bewertung und Begründe warum du so gerichtet hast. Es geht nicht um Rechtfertigung.

Du hast in der Situation aufgrund deines Wissens und deiner Erfahrung so entschieden. Ganz klar, dass nicht jeder einzelne DiscDogger mit dir einig geht.

Bewerte ich jedes Team als ob ich es zum ersten Mal sehe?

Du trainierst Teams, du begleitest deine besten Freunde im Hundefrisbee und deine Partnerin startet auch? Da ist es definitiv nicht einfach das Team gleich zu bewerten wie alle Anderen.

Ich habe mitbekommen, dass solche Teams schlechter bewertet werden, weil man sich bewusst ist, dass man das Team gut kennt und nicht bevorzugen will.

Auch habe ich das Gegenteil erlebt. Bei nahestehenden Teams war die Bewertung zu hoch. Dies ist aber wieder mein persönliches Empfinden. Der Richter hat es aus einem anderen Blickwinkel gesehen.

Es ist verdammt schwer ein Team nach dem Hier und Jetzt zu bewerten. Du kennst alle Fehler dieses Teams. Du weisst welcher Trick nie klappt und welche Würfe perfekt sitzen. Wie wertest du das, wenn dieser nie funktionierende Trick klappt? Es ist kein anspruchsvoller Trick. Aber für dieses Team bedeutet es alles.

Für dich als Person ist es Freude pur. Ja, das Training hat sich gelohnt, der Trick hat geklappt. Nur, als Richter hast du eine andere Haltung. Du musst den Trick bewerten und nicht die Tatsache, dass er bei diesem Team nach viel Arbeit endlich klappt.

Kannst du alles ausblenden und das Team nach dem Hier und Jetzt bewerten?

Ist mir bewusst, wie viel Zeit und Geld ich investiere?

Als Richter wirst du kein Geld verdienen. Das ist zwar in anderen Hundesportarten so, nicht aber im Frisbee. Früher war es ein Geben und Nehmen. Ich richte auf deinem Turnier, dafür richtest du auf meinem Turnier. Es gab kein Geld.

Das klappt heute nicht mehr. Richten ist entweder für lau oder du bekommst deine Spesen gedeckt. Manchmal springt ein kleines Sackgeld raus.

Auch investierst du viel Zeit. Du reist Stunden um zum Turnier zu kommen. Vor Ort hast du nicht das 5-Sterne-Hotel sonder einen Stellplatz für dein Zelt oder Womo.

Während des Turniers bist du auf deinem Stuhl festgenagelt. Du sitzt da für Stunden und schaust dir einen Spieler nach dem anderen an. Ohne grosse Pause. Sogar auf Toilette musst du rennen.

Da bleibt nicht viel Zeit für die eigenen Hunde. Da bleibt keine Zeit für nette Gespräche am Spielfeldrand. Zum Glück gibt es noch die gemeinsamen Abende.

Da bist du jedoch müde und beantwortest die letzten Rückfragen zu deinen Bewertungen. Und am nächsten Tag fährst du die vielen Km zurück.

Hier kommt wieder die Motivation ins Spiel. Warum machst du das Ganze?

Ich kann das nicht – ich traue mir das nicht zu – ich werde nie ein guter Richter!

Wirkt dieser Artikel jetzt abschreckend auf dich? Denkst du gerade, dass du nie richten wirst und es ja genug Andere gibt?

Jeder Spieler sollte sich mit dem Richten auseinander setzen. Wir haben noch heute viel zu wenig Richter. Immer werden die gleichen Leute angefragt. Hast du dich gefragt, ob diese Leute gerne starten würden? Ob ihnen die Punkte und die Quali für die EM oder WM auch wichtig sind?

Jeder denkt nur an sich und an den eigenen Start. Wenn die bestehenden Richter Nein sagen, gibt es keine Turniere mehr.

Ja, es ist wichtig sich mit dem Richten und den Fragen auseinander zu setzen. Genau das will ich mit diesem Artikel erreichen. Mach dir Gedanken. Auch unangenehme Gedanken.

Du kennst die DiscDogger, du kennst die Turnieratmosphäre und du kennst viele Richter. Es geht um Spass. Auch die Richter haben Spass auf der Richterbank. Leute, welche immer wieder richten, machen das nicht nur weil sie den Sport unterstützen wollen. Da steckt noch mehr dahinter. Finde es heraus.

Gehe hin und frage – sprich Richter an! Was sind deine Erfahrungen? Wie lange richtest du schon? Wie bist du zum Richten gekommen? Was kannst du mir empfehlen? Darf ich mit dir mitrichten?

Studiere die Regelwerke, nimm an Richterworkshops teil, mache Shadow-Judging und richte wann immer sich die Gelegenheit bietet.

Übrigens, du kannst dich am Turnier auch mal hinsetzen und die nächsten 10 Starts für dich richten. Schaue deine Bewertung mit einer anderen Person an und tauscht euch aus. Das macht Spass und gibt dir Wissen und Erfahrung.

Und ja, auch du kannst ein guter Richter werden. Nur musst du endlich damit anfangen.

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Über Sandra

Ich bin seit 2008 vom DiscDog-Virus angesteckt. Meine Faszination entfaltet sich hinter den Kulissen und neben dem Turnierfeld. Ich bin sozusagen die Online-DiscDoggerin.

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