Ich bin nicht böse, ich will doch nur Frisbee spielen

Sandro Eigenmann mit Discdog Sammy Lee
Unsere Knutschkugel Sammy Lee jr. – Foto by Klaus Wieckenberg

Du hast schon gehört, dass Frisbee etwas für jeden gesunden Hund ist. Jeder Hund, egal welche Rasse kann mit der Scheibe Spass haben. Gewisse körperliche Anforderungen müssen durch diesen sportlichen Wettkampf gegeben sein. Du kannst das Spiel aber entsprechend anpassen.

Gehört wirklich jeder Hund auf das Spielfeld?

Wie ist es mit unsicheren Hunden, mit Hunden welche nicht gut sozialisiert sind oder mit Hunden welche Angriff als beste Verteidigung sehen?

Klar, auch diese Hunde haben Spass an der Scheibe. Nur, kann ich mit einem solchen Hund mit ruhigem Gewissen DiscDog-Turniere spielen?

Musst du bei einem nicht einfachen Vierbeiner das Risiko eingehen, dass es auf einem Frisbee-Event zu einer Beisserei kommt? Ist das nötig? Nur damit du dich auf dem Feld behaupten kannst?

Sammy Lee jr. – ein nicht ganz einfacher Hund

Ich habe einen solchen Hund zu Hause. Sammy haben wir mit sechs Monaten zu uns geholt. Seine Vorbesitzerin ist nicht mit ihm klar gekommen und wollte ihn schnell loswerden. Als Übergang kam Sam zu uns. Wie es so ist. Wir haben uns in den damals kleinen Schwarzen verliebt und gaben ihn nicht mehr her.

Schnell war klar der Hund ist unsicher und seine Reizschwelle sehr gering. Schon der kleinste Pieps lässt ihn aufbellen. Kommt im Wasser ein Blatt geschwommen, springt Sammy mit allen Vieren in die Luft.

Letztens auf dem Spaziergang. Er schnüffelt an einem Ast, dieser bewegt sich dadurch und schon hüpft unser grosser Schwarzer in die Luft. Da hat ihn doch tatsächlich der Ast angegriffen.

Oh ja, solche Situationen sind für uns lustig, aber glaubt mir, das Leben mit Sam ist nicht immer einfach. Vieles hat sich geändert und mal schnell mit dem Hund eine Runde an den See ist nicht wirklich einfach. Ausser im Winter….

Sam lernt uns sehr viel und es hat einen tieferen Sinn, dass Sammy bei mir gelandet ist. Ich liebe diesen Hund über alles und ich bin dankbar für dieses Geschenk.

Zeige Verantwortung mit der Leine

Früher bin ich mit Sammy gestartet. Am Anfang war es so, dass Sam kurz auf dem Feld gespielt hat und dann abgehauen ist. Mittlerweile bleibt er auf dem Feld und hat richtig Spass. Ich geniesse es so mit ihm zu spielen. Aber, ein Restrisiko bleibt.

Wer ist verantwortlich, wenn etwas passiert? Der Hundehalter, der Zuschauer, der Veranstalter, die Richter?

Ganz klar, neben dem Spielfeld ist die Leine ein absolutes Muss. Und dies gilt nicht nur auf Hundefrisbee-Turnieren. Ich finde als Spieler haben wir eine Verantwortung und eine Vorbildfunktion. Warum meinen Hund nicht an die Leine nehmen? Es ist der falsche Ort um zu beweisen wie toll mein Hund ohne Leine funktioniert.

Egal, wie nett, lieb und folgsam ein Vierbeiner ist. Es gehört sich so und sollte selbstverständlich sein. Oft erlebt. Da kommt ein Hund auf Bubu zu. Meiner ist ganz lieb! Schön, meiner nicht! Und, wenn jetzt etwas passiert ist natürlich der grosse Schwarze schuld. Auch wenn dieser an der Leine war und der Andere nicht.

Was ist, wenn der Hund ohne Leine zu einem Kind hingeht und diesem die Wurst aus der Hand klaut? Da muss nicht mal was Ernstes passieren. Schnell haben wir Hundehalter einen schlechten Ruf.

Dadurch, dass alle Hunde an der Leine geführt werden, sorgen wir zusammen für Sicherheit auf Turnieren. Mach auch du mit.

Eine dumme Situation reicht

Ich weiss, dass mein Hund auf dem Spielfeld voll bei der Sache ist, Spass hat und zwei Minuten bei mir bleibt. Egal was sich ausserhalb des Feldes tut. Diese Aussage trifft auf fast alle Hunde zu. Ja, auch auf „charakterstarke“, nicht einfache Hunde wie Sammy.

Die Hunde haben Spass am Spiel und konzentrieren sich auf ihren geliebten Menschen. Klar, je nach Hund musst du dir mehr Mühe geben damit dein Hund im Spiel bleibt. Drehe ich Sammy den Rücken zu lange zu, scannt er die Umgebung und driftet vielleicht ab.

Scheiss Situation!

Du gibst alles, dein Hund ist konzentriert und bei dir. Und da steht er! Der losgerissene Hund möchte auch mitspielen und steht mit deinem Vierbeiner auf dem Feld.

Kannst du sicher sein, dass jetzt nichts passiert? Gibt dein Hund eine seiner geliebten Scheiben her? Wenn nein, kannst du deinen Hund abrufen, dass er nicht durchstartet?

100% Sicherheit gibt es nirgends. Auch kommt es stark auf die momentane Stimmungslage deines Hundes an. Deine Reaktion ist sehr entscheidend. Nun gibt es Hund, bei denen weiss ich, dass der Gasthund nicht willkommen ist auf dem Feld. Sam würde sich diesen vorknöpfen!

Wer ist schuld und wer hält den Kopf hin

Je nachdem was passiert ist, wie heftig die Konfrontation ausgefallen ist und was die Leute daraus machen, kann es üble Meldungen geben.

  • Das brauchst du als Hundehalter und Spieler nicht!
  • Das brauchst du als Zuschauer nicht!
  • Das brauchen die anderen Spieler nicht!
  • Das braucht der Veranstalter nicht!
  • Das braucht der Sport nicht!

Die leidige Frage der Schuldzuweisung bringt nicht mehr viel. Ist der Spieler Schuld, weil er seinen Hund nicht im Griff hat? Warum spielt ein böser Hund überhaupt auf einem Turnier? Ist es verzeihbar, dass der Hund auf dem Feld seine Scheiben verteidigt und in seiner Konzentration nicht gestört werden will?

Ist der Hundehalter des anderen Hundes Schuld? Er hätte ihn besser festhalten sollen. Der Hund ist jedoch lieb und tut niemanden was. Er wollte doch nur spielen.

Oder ist am Schluss der Veranstalter Schuld? Er hat die Aufsichtspflicht. Hätte der Organisator das Feld besser sichern müssen? Ist es zu gefährlich Zuschauer mit Hund  beim Event willkommen zu heissen?

Wir kennen alle Seiten dieses Würfels. Wir sind die Hundehalter mit dem schwierigen Hund. Wir sind die Zuschauer, dessen Hund sich auch schon mal losgerissen hat (Chetana kann an der Leine ganz schön viel Kraft entwickeln). Wir sind aber auch die Veranstalter, welche die Verantwortung tragen.

Schuld kann in diesem Moment nicht zugewiesen werden. Wir hoffen, dass es nicht passiert und dass solche Situationen glimpflich ablaufen. Der Hund ist ein Lebewesen und das werden wir zum Glück nie zu 100% beherrschen.

Falls was passiert, ist es für die Hundehalter, für die Hunde und für den Veranstalter unangenehm. Dazu kommt, dass es böse Folgen haben kann. Streitigkeiten zwischen den Hundehaltern, Anzeige gegen den Hund und Herrchen (mit anschliessenden Konsequenzen) und Negativwerbung für den Sport.

Von den rechtlichen Folgen ganz abgesehen.

Wie viel Risiko darf ich eingehen?

Ganz klar, es ist ein geniales Gefühl, mit deinem, über alles geliebten Hund das Feld zu rocken und Spass zu haben. Schliesslich willst du zeigen, was ihr alles drauf habt.

Sammy ist eine Rakete und wir haben viel trainiert und trainieren noch immer. Wie gerne würde ich mit ihm starten. Ja, es tut weh.

Aber, wieviel Risiko muss, soll und darf ich eingehen?

Logo, es ist nicht das Gleiche, in unserem Garten unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Sam und Scheibe rum zu daddeln.

Schlussendlich ist es aber die beste Lösung! Ich bin entspannt, weil ich weiss, dass nichts passieren kann. Mein Hund ist entspannt, weil ich entspannt bin. Sandra ist entspannt, weil das Gelände gesichert ist. Nur Chetana ist nicht entspannt, weil ich mit Sammy spiele.

Ich bin der Meinung: Ja, du kannst mit jedem Hund Frisbee spielen aber nicht jeder Hund gehört aufs Turnierfeld. So hart das auch ist…

Wie siehst du das? Hast du dir auch schon mal Gedanken gemacht was passiert, wenn ein Hund aufs Feld rennt? Ist dir schon mal ein solcher Vorfall passiert und wie hast du reagiert?

Wenn ich mit Sammy starte, bin ich mir der Risiken bewusst. Wir arbeiten daran, irgendwann mit ruhigen Gewissen und viel Sicherheit mit dem grossen Schwarzen auf dem Feld zu stehen.

Bis dahin geniesse ich jede Minute, die ich mit ihm zu Hause im gesicherten Garten spielen kann.

Mich interessiert was für Erfahrungen du gemacht hast. Wo liegen deine Bedenken und Ängste? Wie stehst du zu dem Thema? Hast du Fragen? Teile uns unten im Kommentarfeld deine Gedanken mit.

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Sandro

Sandro

Technische Leitung bei DiscDog-Events
Seit 2008 beschäftige ich mich mit DiscDogging. Gerne probiere ich neue Tricks mit der Scheibe aus uns starte mit unseren zwei Hunden auf europäischen Turnieren.
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Über Sandro

Seit 2008 beschäftige ich mich mit DiscDogging. Gerne probiere ich neue Tricks mit der Scheibe aus uns starte mit unseren zwei Hunden auf europäischen Turnieren.

9 Replies to “Ich bin nicht böse, ich will doch nur Frisbee spielen”

  1. Sandro, ich kann dich so sehr verstehen.
    Mit Fenix bin ich da auch noch nicht soooo sicher. Er ist halt ein charakterstarker, aber unsicherer junger Stinksack.
    Wir spielen schön miteinander, auch vor kleinem Publikum… Momentan machen wir Riesensprünge vorwärts (wird ja auch Zeit!) und ich erhoffe mir viel für das nächste halbe Jahr!
    Ihr werdet es sehen! 😁

    • Hi Linda

      Ich bin sehr gespannt dich und Fenix live zu sehen. Du arbeitest gewissenhaft und in kleinen Schritten mit ihm. Dadurch wirst du ihm auch immer mehr Vertrauen und die Sicherheit gewinnen. Ich freue mich euch auf dem Feld zu sehen.

      Liebe Grüsse
      Sandra

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